Unternehmer als Naturtalente für Start-up-Investments?
Man möchte meinen: Wer ein Unternehmen aufgebaut und erfolgreich verkauft hat, sollte auch bei Investments in andere Unternehmen automatisch besser abschneiden. Schließlich bringt man Netzwerk, Branchenverständnis und Erfahrung mit. Die Realität ist: Genau diese vermeintlichen Stärken führen oft zu den teuersten Irrtümern.
Wir sehen es immer wieder – und zwar nicht bei Einzelfällen, sondern als wiederkehrendes Muster: Unternehmerinnen und Unternehmer investieren nach erfolgreichen Exits oder bei Überschüssen gerne in Beteiligungen aus ihrem Umfeld. Mal sind es 10.000 Euro, mal 100.000 Euro – gemeinsame Bekannte, gute Ideen, das alles klingt logisch.
Das Ergebnis? Erschreckend häufig dasselbe: Das Kapital ist nach einigen Jahren schlichtweg verbrannt.
Woran scheitern externe Unternehmensbeteiligungen wirklich?
- Zugang zu ‚guten‘ Deals ist überschätzt: Vertrautheit bringt keinen Rendite-Vorteil. Wenn sogar erfahrene Unternehmer mit direktem Zugang regelmäßig scheitern, liegt das Problem tiefer.
- Selbstüberschätzung und Blasenbildung: Nach einem erfolgreichen Exit glauben viele, sie wüssten jetzt, wie es läuft. Die Euphorie im eigenen Netzwerk verstärkt diesen Effekt.
- Psychologie des zweiten Lottogewinns: Ist der erste große Wurf geglückt, sucht das Gehirn nach einer Wiederholung. Die Bereitschaft, ähnlich riskant zu investieren, steigt meist ohne echte Risikoprüfung.
Wir beobachten in der Praxis: Diese Nebenbeteiligungen werden von Unternehmern erstaunlich gelassen abgeschrieben – selbst wenn im Alltag um jeden absetzbaren Euro beim Finanzamt gefeilscht wird. Das mag daran liegen, dass ein Misserfolg zuzugeben, auch bedeuten würde, das eigene Urteilsvermögen zu hinterfragen. Auffällig ist: Kaum jemand hinterfragt danach systematisch seine Investmentstrategie.
Geldverbrennung als Nebeneffekt der Erfolgsstory?
Der Kernfehler: Wer außerhalb seines eigenen Betriebs investiert, bringt nur dann einen echten Mehrwert ein, wenn er sich operativ engagiert. Passives Kapital, egal wie erfahren der Investor ist, bleibt Risiko-Kapital, kein Know-how-Kapital.
Ein Praxisbeispiel aus unserem Beratungsalltag
Nehmen wir eine Mandantin aus Berlin, die früh als Geschäftsführerin eines Startups agierte, einen Exit realisierte und anschließend wieder in junge Firmen investierte. Ihr Erfolgsmodell: Sie steigt nicht nur als Kapitalgeberin ein, sondern übernimmt das Management, gestaltet aktiv den Turnaround, bringt Struktur und neue Perspektiven ein. Dort entsteht Wert. Geld allein, auch aus der besten Netzwerkquelle, produziert keine Rendite, sondern meist finanzielle Wüsten.
Wann sollte man als Unternehmer außerhalb investieren?
- Operativer Einfluss: Nur wer mitgestaltet, hat echte Steuerungsmöglichkeiten und Einblick in das Tagesgeschäft. Strategisch und strukturell ist das von uns aus der einzige nachvollziehbare Erfolgsfaktor.
- Langfristige Motivation und Bereitschaft, aktiv anzupacken: Nebenbei mitspielen führt fast immer zu passiven Verlusten. Eine Nebenbeteiligung ist kein Hobby, sondern Teil einer neuen Lebensrolle.
- Klares Verständnis über eigene Motivation: Wer glaubt, das Glück vom ersten Exit einfach zu wiederholen, übersieht die psychologischen Fallstricke. Externe Investments sollten keine Bestätigungssuche, sondern Ausdruck echter operativer Leidenschaft sein.
Was funktioniert nicht?
- X-te Beteiligung im Bekanntenkreis, nur weil die Story passt
- Geldgeberstatus ohne aktiven Beitrag
- Nachahmungswettlauf mit anderen Ex-Unternehmern
Unser Rat: Es gibt genügend Untersuchungen und Praxiserfahrungen, die zeigen, dass Kapital ohne klare operative Rolle in der Start-up-Szene fast zuverlässig verliert. Diversifikation in klassische Kapitalmarktanlagen ist in 9 von 10 Fällen nachhaltiger und rentabler. Für viele ist das ernüchternd, aber genau darin liegt finanzielle Reife.
Fazit: Externe Investments nur mit echtem Engagement
Wer außerhalb der eigenen Firma investieren will, braucht starke Gründe und einen operativen Hebel. „Nur Geld mitbringen“ reicht nicht, selbst mit bestem Netzwerk. Wer dagegen aktiv gestaltet (Management, Strategie, Turnaround), kann tatsächlich Erfolge erzielen. Alles andere bleibt in der Praxis ein teures Hobby. Das muss man sich ehrlich eingestehen – emotional wie finanziell.



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