
Jahrzehntelang war das Ziel klar: Geld zurücklegen. Nicht anfassen. Diese Logik funktioniert in der Ansparphase. In der Entnahmephase gilt sie nicht mehr – und trotzdem übertragen die meisten Menschen diese Logik einfach weiter.
Die Entnahmephase stellt andere Fragen: Wie viel kann ich entnehmen, ohne das Depot vorzeitig aufzubrauchen? In welcher Reihenfolge entnehme ich aus Depot, Rente und anderen Quellen? Und wie verhalte ich mich, wenn der Markt im Jahr nach Rentenbeginn stark fällt? Das sind keine rhetorischen Fragen. Das sind Fragen, die einen konkreten Plan brauchen.
Einen Entnahmeplan zu haben bedeutet nicht, jede Unsicherheit zu eliminieren. Es bedeutet, alle relevanten Variablen auf dem Tisch zu haben – Rendite, Inflation, Steuern, Entnahmereihenfolge – und für die wahrscheinlichsten Szenarien vorbereitet zu sein.
Ein Entnahmeplan ist keine Versicherung und kein Finanzprodukt. Er ist eine Berechnung – mit allen relevanten Einkommensquellen, der richtigen Reihenfolge und der steuerlichen Dimension.
Depot, Rente, Immobilien und Steuerlast wirken nicht getrennt voneinander. Erst wenn alle auf dem Tisch liegen, lässt sich eine sinnvolle Entnahmereihenfolge festlegen.
Die Entnahmephase kann dreißig Jahre dauern. Was heute entschieden wird, wirkt entsprechend lang. Deshalb geht es nicht um die nächste Entnahme – sondern um den Plan, der die nächsten Jahrzehnte trägt.



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